Wie sich im Rückblick zeigt war die für heute mit Coastways Tours gebuchte Ganztagestour zum Bogenfels ein echter Hit. Das Sperrgebiet wurde 1908 von der deutschen Reichsregierung als Besitzerin des Landes eingerichtet. Es reicht von Lüderitz bis nach Oranjemund, ist 300 Kilometer lang und 100 Kilometer breit. Hier fand und findet noch heute Diamantenabbau statt. Deshalb muss die Tour auch immer im voraus angemeldet und mit Passkopie die nötigen Permits zum Befahren des 26 000 km2 grossen Gebiets beantragt werden. Dies hat Frau Dietterle im Voraus bestens erledigt. Wir erfahren nebenbei dass pro Jahr nur ca. 600 Besucher gezählt werden.

Pünktlich um 8:30 Uhr wurden wir von Ramon, einem deutsch und englischsprechenden Namibier der in Kapstadt zur Schule ging, abgeholt. Wir stiegen ein und fuhren mit seinem Toyota Fortuner 3.0D zu einer Lodge in der Nähe, wo ein allradgetriebener Kleinbus Mitsubishi Delica und sieben weitere Besucher aus Holland und Belgien auf uns warteten. Wir übernahmen eine Person in unser Fahrzeug und los ging es.

Ramon fuhr zügig los und wir erreichten bald den «Grasplatz» wo Zacharias Lewala ein Gehilfe von August Stauch 1908 den ersten an der Oberfläche liegenden Diamanten fand und damit einen Ansturm von Diamantensuchern auslöste. Jedermann konnte damals für ein kleines Entgelt eine Lizenz zum Schürfen erwerben und sich dann seinen Claim abstecken.

Kurz nach dem «Grasplatz» bogen wir von der B4 nach rechts ab und erreichten nach wenigen Kilometern das Rotkop Gate, den bewachten Eingang zum Sperrgebiet. Ramon und sein Begleiter klärten die Formalitäten mit den Permits während wir alle ausstiegen und erste Fotos einer unwirtlichen Umgebung machten. Der Vorteil des Sperrgebiets ist ja, dass man zwar vielfach Spuren und Überreste der Diamantensucher findet, die karge Natur aber bis heute weitgehend unberührt und unverändert blieb.

Der nächste Halt erfolgte schon tief im Sperrgebiet wo Überreste dreier grosser Pumphäuser und dazu gehörige Nebenbauten zu sehen sind. Hier in «Grillenthal» wurde Frischwasser aus dem Boden gepumpt und über Pipelines zur Siedlung Pomona geleitet. Die Besichtigung im Innern der Gebäude erwies sich metallene Fundgrube und spannend. Überall waren oxydierte Metallteile, Fässer, Rohre, Antriebe und dergleichen zu sehen. Auch die elektrischen Schalttafeln mit den Keramikschmelzsicherungen sind in einem relativ guten Zustand erhalten.

Nach einem zwanzig-minütigen Besichtigungs- und Foto-Stopp fuhren wir weiter Richtung der völlig verlassenen und zerfallenen Geisterstadt Pomona. Auf halber Strecke machten wir erneut Rast. Hier fanden wir die Reste der ehemaligen Brackwasserpumpstation die das Wasser zum Auswaschen der Diamanten lieferte. Einige zerfallene Wellblechhütten, umgeben von herumliegenden Fässern, einer Seilwinde und unzähligen weiteren Stahlteilen, zeugen von einem völlig fehlenden Umweltbewusstsein.

Kurze Zeit später stoppten wir erneut, diesmal beim eigentlichen Diamantenwaschplatz, das damalige Zentrum der Diamantengewinnung. Hier wurden die Diamanten maschinell vom Grobgestein getrennt und anschliessend in von Hand betriebenen riesigen, konus-förmigen und immer feiner werdenden Netzen ausgewaschen. Bemerkenswert auch die Ruine der Polizeistation die gleich am Anfang stand und so die Wichtigkeit dieses Platzes betont. Über ein grösseres Areal verstreut waren die verrosteten Überreste von Auswaschtrommeln, Schienen der Schmalspurbahn und sonstigen Eisengerümpel und Glasteilen zu sehen. Als leicht zu identifizieren und relativ gut erhalten erwies sich die stählerne Konstruktion der maschinellen Gesteinssortieranlage mit Dutzenden von Riemenantriebsrädern, Wellen, Zuführungen und der Entladerampe für die Schmalspurbahn.

Wir hielten hier eine knappe halbe Stunde und fuhren dann weiter zur heutigen Ghost Town Pomona die wir nach zehn Minuten Fahrt hügelaufwärts erreichten. Vorbei an zerfallenen Unterkünften, dem Bahnhof und weiteren Gebäuden hielten wir schliesslich bei der ehemaligen Kegelbahn an. Die noch gut erhaltene hölzerne Führung für die Rückführung der Kugel wirkte in diesem unwirtlichen Umfeld schon leicht bizarr. Genauso wie die Türüberschrift „Nicht auf den Boden spucken!“ im ehemaligen Badehaus.

Nach einem kleinen Fussmarsch mit Dorfbesichtigung, unter anderem des Arzthauses mit Aufrichtedatum 30. August 1912 und einem grossen Quivertree vor dem Eingang betraten wir das alte Schulhaus und setzten uns in einem notdürftig hergerichteten Raum an einen der Campingtische. Wir waren alle richtig hungrig: Es gab paniertes Schnitzel mit Kartoffelsalat, Yoghurt, Obst, Mineralwasser und Bier.

Nach einem kurzen Fussmarsch zum kleinen Friedhof mit Blick über die unzähligen Sandhügel ging es weiter. Schon bald erreichten wir das berühmte «Märchenthal» wo zum Beginn der Diamantensuche diese offen und frei zugänglich im Sand lagen. Noch heute kann man in Lüderitz Bilder sehen wie von Aufsehern bewachte Männer in Einerkolonne kniend, mit am Hals umgehängten Beutel, nach den herumliegenden Edelsteinen suchten. Angeblich wurden auf diese Weise in den ersten sieben Jahren 5.4 Millionen Karat an Diamanten gefunden.

Wir waren mittlerweile etwas spät dran und beeilten uns nun zum berühmten Bogenfels zu kommen den wir kurz nach drei Uhr auch erreichten. Der Bogenfels ist Afrikas grösster Felsbogen und ragt 55 Meter aus dem Wasser empor. Leider war in der Zwischenzeit bereits eine leichte Nebelwand aufgezogen und trübte die Sicht. Die Fotobedingungen waren deshalb leider nicht optimal und die Temperatur am Meer empfand ich als merklich kühler als im Inland.

Nach Kaffeepause und einer guten halben Stunde Aufenthalt mit Abstieg zum Wasser ging es zurück nach Lüderitz. Wir passierten die Ghost Town Bogenfels und fuhren in ziemlich gerader Strecke nordwärts. Um 17:30 waren wir nach neun Stunden unterwegs in Sand, Staub und über holperiges Gelände zurück im Nesthotel Lüderitz.

 

Google Maps: Pomona Mine, Namibia

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