Wieder ein Jahr ist vorbei – das Neue hat begonnen. Alles ist noch ruhig, wenig Alltags-Hektik ist spürbar; das Wetter ist kühl, gar mit Schneefall und Minustemperaturen. Ein guter Zeitpunkt für ein fotografisches Résumé. In Summe war das Jahr 2025 mit Fotoreisen auf die Äusseren Hebriden, ins schottischen Hochland mit der Isle of Skye und in den Süden Islands ergiebig. Mit genügend Auswahl für das Bild des Jahres!
Eine Herausforderung – nicht wenige der Kandidaten wecken Gefühle auf oder verbinden sie mit einem Ereignis, andere lösen Erstaunen aus und rufen Erinnerungen wach. So zum Beispiel die ungelösten Rätsel zu den 5000 Jahre alten Callanish Standing Stones auf den Äusseren Hebriden. So auch die unbeschreiblich schönen Sonnenaufgänge am Diamond Beach bei der Jökulsárlón Gletscherlagune. Oder die 75 Minuten im Ice Cave, die Raymond für unsere kleine Gruppe exklusiv vor dem üblichen Zugang organisiert hat. Und uns ungestörtes Fotografieren ermöglichte.
«Zur richtigen Zeit am richtigen Ort». Ich entscheide mich für ein in den Social Medien kaum gezeigtes Bild: Dem Auflösen der Barriere von grösseren und kleineren Eisbergen im Jökulsá (Gletscherfluss) á Breiðamerkursandi, dem 500 Meter langen Abfluss vom Gletschersee Jökulsárlón ins Meer. Das besondere daran: Der rund 70 Meter breite Fluss wird hier von der Ringstrasse auf einer 108 m langen Brücke überquert.
Um den Abfluss grosser Eisberge zu verhindern und damit die Brücke und deren Fundamente zu schützen sind oberhalb im Wasser Steindämme aufgeschüttet worden. Und so funktioniert der Schutz: Von einem Eisberg schwimmen bekanntlich rund 90% unter Wasser und nur etwa 10% sind sichtbar. Grosse Eisberge laufen an der Barriere auf, kleinere passieren diese ungehindert. Durch Ebbe und Flut werden die Eismassen zerkleinert bis sie die Steinbarriere überwinden können und ins Meer hinaus fliessen; teilweise von der Flut zurück an den schwarzen Sandstrand des Diamond Beach getragen werden.
Was sehr selten vorkommt: Bei meiner Ankunft kurz nach 11 Uhr vormittags war der Jökulsá vollständig von blockierten Eisbergen abgeriegelt. Da Ebbe für 14 Uhr angesagt war floss das Wasser schnell mit hohem Druck auf das Eis seewärts in den Nordatlantik. Kaum hatte ich mein Stativ aufgestellt und die Kamera eingerichtet brach Minuten später der Eisdamm ohne Vorwarnung. Die von Ebbe und Flut zerkleinerten Eisberge, nun klein genug, überwanden die Steindämme und trieben im Wasser zügig Richtung Meer. Ein toller Anblick 😂!
Zum Zeitpunkt des Eis-Durchbruchs war ich neben Selfie-Jäger der einzige Fotograf an der Barriere. Stolz bin ich, dass mir auch eine schöne Langzeit-Belichtung gelang. Sie verleiht der Aufnahme mit der Abfluss-Spuren Richtung Meer eine zusätzliche Dynamik.
Die Aufnahme entstand mit meiner Fuji GFX100s II und dem GF20-35mmF4 im RAW-Modus. Bearbeitet in Adobe Lightroom und DxO NIK Collection.
Quellen:
Wikipedia
Google Maps



