Ich erlebe meine Reise durch die schottischen Highlands von ihrer spektakulärsten Seite: tosende Wasserfälle, mystische Burgruinen, weite Moore und die dramatischen Küsten der Isle of Skye. Von Edinburgh aus führt meine Reise zu legendären Highlands Fotospots wie Glencoe, Kilchurn Castle und Eilean Donan Castle, vorbei an einsamen Tälern, märchenhaften Landschaften wie dem Fairy Glen. Perfekt für Fotografen, Naturliebhaber und alle, die Schottlands wilde Schönheit hautnah erleben möchten.
Nach einer intensiven Woche auf den rauen, windgepeitschten Äusseren Hebriden kehre ich nach Edinburgh zurück. Noch liegt der Geruch von Salz und Atlantik in der Luft, doch bleibt keine Zeit für Nostalgie – das nächste Abenteuer wartet bereits. Am Flughafen treffe ich eine kleine Gruppe Gleichgesinnter: Fotografen und Naturliebhaber, die wie ich vom Zauber der schottischen Landschaft angezogen werden. Gemeinsam brechen wir auf zu einer Reise durch das spannende Herz der Highlands – vorbei an legendären Fotospots, einsamen Tälern und historischen Burgen bis hin zur mystischen Isle of Skye.
Durch die schottischen Highlands – Wasserfälle, Burgen und wilde Landschaften
Mein erster Stopp erfolgt im kleinen Dorf Killin: die Falls of Dochart. Schon bevor man sie sieht, hört man das Rauschen des Wassers, das sich zwischen dunklen Felsen und kleinen Inseln seinen Weg bahnt. Die Szene wirkt wild und gleichzeitig harmonisch – ein perfektes Motiv für meine Landschaftsfotografie.
Direkt über den Wasserfällen steht das traditionsreiche Falls of Dochart Inn. In dem gemütlichen historischen Gebäude geniesse ich einen Lunch mit Blick auf das schäumende Wasser. Die Atmosphäre ist typisch schottisch: herzlich und authentisch.
Am Abend erreichen wir das berühmte Tal von Glencoe. Die drei markanten Bergrücken der «Three Sisters» ragen dramatisch aus dem Talboden empor. Als die Sonne langsam hinter den Gipfeln verschwindet, taucht sie die Landschaft in warmes, goldenes Licht. Die Farben wechseln zu Rot- und Violett-Tönen. Nur der Wind streicht durch das Gras – sonst herrscht beinahe Stille.
Meine Unterkunft für zwei Nächte ist das gemütliche Bridge of Orchy Hotel, idyllisch gelegen zwischen Mooren und sanften Bergen. Traditioneller Highland-Charakter trifft hier auf überraschend modernen Komfort. Im Essraum wartet ein kulinarisches Highlight: Frischer Fisch im knusprigen Teig, perfekt zubereitet – begleitet von einem lokalen Bier.
Der nächste Morgen beginnt früh. Noch im Dunkeln fahre ich über die A82 zurück und die A85 zum Kilchurn Castle am Loch Awe. Kurz nach Sonnenaufgang zeigt sich die Burgruine von ihrer magischen Seite: Nebelschwaden ziehen über das Wasser, während sich die Mauern der alten Festung im stillen See spiegeln. Das Licht verändert sich im Minutentakt – mal warm und golden, mal kühl und silbrig. Die Atmosphäre ist mystisch, friedlich und beinahe zeitlos. Ein perfekter Moment.
Ein weiteres Highlight folgt wenig später: Glen Etive. Eine schmale Single-Track-Road windet sich durch das lange, abgelegene Tal, parallel zum Etive River. Viele kennen diesen Ort aus dem James-Bond-Film «Skyfall». Doch auch ohne Filmgeschichte wirkt die Landschaft spektakulär – rau, weit und beinahe menschenleer.
Nicht weit entfernt erstreckt sich das riesige Rannoch Moor, eine der letzten grossen Wildnislandschaften Europas. Moorflächen, kleine Seen und verschlungene Flüsse prägen diese urtümliche Gegend. Der Boden ist sumpfig, das Klima rau – genau deshalb konnte sich hier eine einzigartige Flora und Fauna erhalten.
Am nächsten Morgen wartet eine weitere ikonische Foto-Location: Blackrock Cottage. Die kleine weiß getünchte Berghütte liegt am Fuss des mächtigen Buachaille Etive Mòr, einem der bekanntesten Berge der Highlands. Im sanften Morgenlicht wirkt das Cottage fast wie aus einem Märchen. Wolken ziehen entlang den Hängen, während die ersten Sonnenstrahlen die Bergflanken streifen.
Am Nachmittag erreichen wir schliesslich eines der berühmtesten Wahrzeichen Schottlands: Eilean Donan Castle. Die Burg liegt auf einer kleinen Landzunge am Loch Duich, nahe dem Dorf Dornie. Bei Flut verwandelt sich die Landzunge in eine kleine Insel, die nur über eine steinerne Brücke erreichbar ist.
Kaum ein Motiv wurde in Schottland so oft fotografiert – und doch verliert dieser Ort nichts von seiner Faszination. Für meine Aufnahme wähle ich einen erhöhten Standpunkt oberhalb der Strasse. Mit einer Langzeitbelichtung von rund 50 Sekunden verschwinden die Besucher von der Brücke aus dem Bild. Zurück bleibt eine ruhige, zeitlose Szene: die Burg, umgeben von Wasser und Bergen. Als die Sonne hinter den Hügeln versinkt und der Himmel sich orange und rosa färbt, endet ein weiterer eindrucksvoller Fototag.
Kurze Zeit später überqueren wir die Skye Bridge – und ich freue mich auf die sagenumwobene Isle of Skye. Ich bin angekommen in vertrauter Umgebung und erinnere mich gerne an meine «Isle of Skye Masterclass».
Isle of Skye Sehenswürdigkeiten – Märchenlandschaften und raue Küsten
Das Uig-Hotel liegt im kleinen Küstenort Uig im Norden der Insel. Von hier aus erkunde ich in den kommenden Tagen einige der spektakulärsten Landschaften Schottlands.
Der erste Morgen führt uns zum Fairy Glen, einem märchenhaften Ort. Sanfte, fast perfekt geformte grüne Hügel, kleine Teiche und verschlungene Pfade lassen die Landschaft wie eine Fantasiewelt wirken. Kein Wunder, dass sich hier zahlreiche Legenden um Feen und andere Fabelwesen ranken. Über dem Tal erhebt sich der markante Felsblock Castle Ewen, der wie ein natürlicher Wachturm wirkt. Von oben eröffnet sich ein schöner Ausblick über diese ungewöhnliche Landschaft.
Später fahren wir in den Süden der Insel zur Ruine der Church of Kilchrist. Die ehemalige Pfarrkirche aus dem 16. Jahrhundert liegt auf einem kleinen Hügel, umgeben von einem alten Friedhof mit verwitterten Grabsteinen. Dazwischen wachsen Gras und Moos. Heute stehen nur noch die massiven Steinmauern – doch gerade diese Ruhe verleiht dem Ort seine besondere Atmosphäre.
Nur wenige Minuten entfernt liegt das kleine Loch Cill Chriosd. Der unscheinbare See ist ein Paradies für Vögel und Fotografen. Schilfgras bewegt sich sanft im Wind, während das Wasser ruhig zwischen den Pflanzen schimmert. Mit unterschiedlichen Belichtungszeiten experimentiere ich, um die Bewegung mal weich und fließend, mal gestochen scharf festzuhalten. Jeder Standort verändert den Bildaufbau – ein schönes Beispiel dafür, wie selbst scheinbar unspektakuläre Orte fotografisch spannend sein können.
Am Nachmittag fahre ich weiter nach Elgol, einem kleinen Dorf an der Südküste der Insel. Schon die Anfahrt gehört zu den schönsten Strecken auf Skye: Die Strasse windet sich durch grüne Hügel, vorbei an kleinen Farmen und immer wieder eröffnen sich spektakuläre Ausblicke auf das Meer.
Elgol selbst bietet einen der eindrucksvollsten Blicke auf die schroffen Cuillin Hills, eine felsige Gebirgslandschaft im Hintergrund. Ihre dunklen, gezackten Gipfel wirken beinahe alpin und bilden einen dramatischen Kontrast zur ruhigen Meeresoberfläche.
Der Weg zur Foto-Location führt über grosse, vom Meer glatt geschliffene Felsen. Besonders bei Ebbe lassen sich hier spannende Perspektiven finden. Foto Guide Harry stellt mich auf dem nassen Gestein weit nach draussen – ein ziemlich exponierter, aber dank Fels im Rücken, sicherer Standort. Das erlaubt mir gefällige Aufnahmen. Als die Sonne langsam tiefer sinkt und lange Schatten über die Berge ziehen, wird klar: Dieser abgelegene Ort gehört zu den eindrucksvollsten der Insel.
Regen, Whisky und spektakuläre Wandergebiete
Nicht jeder Tag auf Skye beginnt mit Sonnenschein. Am nächsten Morgen hängt eine dichte Wolkendecke über der Insel und es regnet fast den ganzen Tag.
Doch selbst bei schlechtem Wetter bietet Skye spannende Motive. Am Talisker Beach gelingen trotz Regen interessante Aufnahmen. Der dunkle, vulkanische Sand wird von Meerwasser und Regen glatt gespült. An der weichen Oberfläche entstehen faszinierende Muster: Fussabdrücke, kleine Rinnsale, vom Wind geformte Linien. Gerade bei diesem tristen Wetter wirkt die Küste besonders rau und ursprünglich.
Zum Lunch halte ich am Oyster Shed, einem kleinen Take-away etwas Hang aufwärts, mit Sicht auf Loch Harport. Ich esse eine Portion Fritto Misto, Garnelen mit Pommes – frisch, knusprig und perfekt an diesem kühlen, nassen Tag.
Der Höhepunkt des Tages ist der Besuch der Talisker Whisky Distillery, spektakulär gelegen am Loch Harport. Seit fast zwei Jahrhunderten wird hier einer der bekanntesten Single Malts Schottlands produziert.
Während der Führung lernen wir den gesamten Herstellungsprozess kennen – von der Maische bis zum charakteristischen zweistufigen Brennprozess in den fünf kupfernen Brennblasen. Der Duft von Malz, Holz und warmem Alkohol liegt in der Luft. Am Ende folgt natürlich die Verkostung: Drei verschiedene Talisker-Whiskys, rauchig, würzig und mit einer leicht salzigen Note vom Einfluss des Meeres. Ein wunderbarer Tagesabschluss. Ich gönne mir im Shop als Erinnerung noch eine schöne Flasche dieses köstlichen Skye-Getränks. Allerdings keine der 771 Flaschen Prima & Ultima 1976 für £ 6000.
Am nächsten Tag zeigt sich das Wetter endlich wieder freundlicher. Ziel ist der Quiraing, eine der spektakulärsten Landschaften der Isle of Skye. Der Wanderweg führt durch eine bizarre Welt aus steilen Klippen, grünen Hängen und markanten Felsspitzen. Der Quiraing entstand durch einen gewaltigen Erdrutsch – und wirkt heute wie eine Kulisse aus einem Fantasyfilm.
Immer wieder öffnen sich neue Perspektiven. Wolken ziehen über die Hügel, während Sonnenstrahlen vereinzelt Bereiche wie mit einem Spot beleuchten.
Später fahre ich weiter zur historischen Sligachan Bridge. Die alte Steinbrücke überspannt den Sligachan River und bietet einen wunderschönen Blick auf die Cuillin-Berge. Flussaufwärts entdecke ich kleine Wasserfälle und Kaskaden. Mit längeren Belichtungszeiten verwandelt sich hier das Wasser in weiche, seidige Strukturen.
Die «Goldene Stunde» verbringe ich schliesslich am Neist Point, dem westlichsten Punkt der Insel. Der berühmte Leuchtturm steht spektakulär auf einer schmalen Landzunge über dem Wasser des Atlantiks. Während die Sonne langsam im Meer versinkt, färbt sich der Himmel in warmes Gold und Orange.
Abschied von Skye
Am letzten Tag zeigt sich Skye noch einmal von seiner typisch schottischen Seite: Regen. In Portree, der kleinen Inselhauptstadt mit ihren bunten Häusern am Hafen, bleibt nur Zeit für einen kurzen Zwischenstopp. Anschliessend verlassen wir die Insel und fahren zurück Richtung Festland bis nach Dunkeld, einer Kleinstadt am Fluss Tay in den Schottischen Highlands. Unser letztes Foto-Ziel ist «The Hermitage», ein historischer Waldpark am River Braan.
Ein kurzer Wanderweg führt durch dichten Wald zur Ossian’s Hall. Das ursprüngliche Gebäude wurde 1757 als Sommerhaus errichtet und diente als ruhiger Rückzugsort – eine Art Einsiedelei fernab vom Alltag. Genau diesem Gedanken verdankt der Park seinen Namen. Auch heute noch wirkt der Wald erstaunlich friedlich. Der Fluss rauscht durch die Schlucht, Gischt steigt zwischen den Felsen auf, und der Wald wirkt selbst im Regen geheimnisvoll.
Damit endet eine Reise in wunderschönen Landschaften, mit mystischen Orten und unvergesslichen Fotomotiven – von den schottischen Highlands bis zu den dramatischen Küsten der Isle of Skye. Schottland zeigt sich einmal mehr als Land, das mit seiner rauen Schönheit und tief verwurzelten Geschichte jeden Besucher garantiert in seinen Bann zieht.
Die Aufnahmen entstanden mit meiner Fuji GFX100s II und den Objektiven GF20-35mmF4, GF32-64mmF4 und GF100-200mmF5.6 sowie meinem iPhone 13 im RAW-Format. Bearbeitet mit Adobe Lightroom, DxO NIK Collection und Color Grading LUTs von Lutify.
Quellen:
Google Maps
Eigene Recherchen










