Schottland zeigt sich rau, wechselhaft und spektakulär zugleich – ein Paradies für Landschaftsfotografen. Auf einer Fotoreise durch die Highlands bis zur Isle of Skye erlebe ich dramatische Lichtstimmungen, ikonische Motive und das berüchtigte schottische Wetter hautnah. Zwischen frühen Aufstiegen, windgepeitschten Küsten und stillen Moorlandschaften entstehen Bilder, die man nicht planen kann. Wildes Schottland eben! Genau darin liegt der Reiz: im Zusammenspiel von Natur, Geduld und dem richtigen Moment. Eine Reise, die mich fotografisch fordert – und nachhaltig beeindruckt.
Das war knapp: Ich habe den letzten Teilnehmer-Platz erhalten – eine Fotoreise durch schottische Landschaften. Durch die Highlands mit der Isle of Skye als Schwerpunkt verspricht das Angebot des Veranstalters Amazing Views. «Schottland bietet Fotomotive im Überfluss und lässt das Herz jedes Fotografie- und Naturbegeisterten höher schlagen. Auf dieser Fotoreise erwarten Sie fantastisch schöne Landschaften mit immer wieder wechselnden Wetter- und Lichtverhältnissen. Ein Eldorado für Fotografen.» So das Zitat – das macht Lust auf mehr.
Nach fünf Tagen urbaner Fotografie und Sightseeing in Edinburgh wechselt mein Fokus nun zur Landschaftsfotografie. Die Foto-Guides Jenny und Nick holen mich vom Waterloo Hotel ab. Es ist schön, die beiden nach meiner letztjährigen Reise wiederzusehen. Am Flughafen treffe ich die übrigen Teilnehmer, und schon bald sind wir unterwegs in Richtung Highlands.
Unser erstes Ziel ist das Bridge of Orchy Hotel, meine Unterkunft für die nächsten zwei Nächte. Ein charmantes, kleines Hotel, das besonders Wanderer, Fotografen und Outdoor-Fans anspricht.
Wildes Schottland – Erste Eindrücke in den Highlands
Nach dem Zimmerbezug geht es direkt weiter zum Buachaille Etive Mór. Der markante Berg mit seiner pyramidenförmigen Silhouette wirkt wie ein Wächter am Eingang zum Tal. Vom Parkplatz aus erreiche ich über einen kurzen, matschigen Pfad den gleichnamigen Wasserfall – eine eindrückliche erste Foto-Location mit Berg und dramatischem Himmel im Hintergrund.
Am Abend fotografiere ich am Loch Tulla die letzten Lichtstimmungen nach einem kurzen Sonnenuntergang. Für mich ein gelungener Einstieg in diese Reise.
Am nächsten Tag führt mich die Route zum Blackrock Cottage und weiter ins Glen Etive Valley. Die raue Schönheit und die Weite machen dieses Tal zu einem besonderen Erlebnis. Allerdings ist es längst kein Geheimtipp mehr: Seit dem James-Bond und M in «Skyfall» ist dieser Ort sehr bekannt und öfters fotografiert geworden.
Ich steige zum eindrücklichen Skyfall Wasserfall hinab, der von grossen Felsblöcken eingerahmt ist. Ein perfektes Motiv, das ich ausgiebig fotografiere. Nach einem kurzen Abstecher zum Loch Etive fahre ich zum Lunch in die Clachaig Inn. Am Nachmittag setzt Regen ein – und hält bis zum Abend an. Die Kamera bleibt im Rucksack.
Früh am nächsten Morgen stehe ich am Lochan na h-Achlaise im Rannoch Moor und warte auf den Sonnenaufgang. Die Landschaft wirkt karg und öde. Leider bleibt die Sonne hinter dichten Wolken verborgen und ihre Strahlen zeigen sich nur vereinzelt.
Typisch schottisches Wetter
Schon beim Losfahren zeigt sich Schottland von seiner raueren Seite: tief hängende Wolken, Nieselregen und ständig wechselnde Lichtverhältnisse begleiten mich. Doch genau das macht den Reiz aus – was wäre Schottland ohne schottisches Wetter?
Der Tag ist ein Transfertag zur Isle of Skye, der nördlichsten Insel der Inneren Hebriden. Ich war bereits 2021 hier und war sofort fasziniert von der dramatischen Landschaft mit ihren schroffen Klippen und zerklüfteten Bergen. Beim letzten Besuch hatte ich wenig Wetterglück, weshalb ich diese Reise bewusst noch einmal gebucht habe.

Erst gegen Abend klart es auf. Das Eilean Donan Castle besuche ich nur kurz bei einsetzendem Regen, bevor ich weiter zum Uig-Hotel in Uig fahre, einem kleinen charmanten Hafenort, in dem ich die nächsten vier Nächte bleiben werde.
Am Abend geht es noch zum «Fairy Glen». Die sanften, fast surreal wirkenden Hügel verleihen der Landschaft eine märchenhafte Atmosphäre. Tatsächlich sind sie das Resultat von Gletschern und Erdrutschen aus der Eiszeit. Der bekannte Steinkreis wurde von Touristen angelegt und ist umstritten, da er zur Erosion beiträgt.
Beim Viewpoint oberhalb von Uig erlebe ich einen stimmungsvollen Sonnenuntergang mit intensiven Farben und schönen Wolkenformationen.
Die spektakulärsten Spots der Isle of Skye
Es folgen drei tolle Fototage mit vorwiegend sonnigem Wetter. Jenny und Nick führe mich zu den bekanntesten und eindrücklichsten Orten der Insel.
Den Anfang machen die Sligachan Old Bridge und die Sligachan Wasserfälle, immer mit Blick auf die Cuillin-Berge – ein klassisches Motive für Landschaftsfotografen.
Weiter geht es in den Süden zum Fischerdorf Elgol. Der Steinstrand und der Blick auf das Black Cuillin Massiv sind beeindruckend. Ich fotografiere bis zum Sonnenuntergang und geniesse die Stimmung am Wasser.
Ein Highlight ist der Aufstieg zum Old Man of Storr. Der Tag beginnt früh – sehr früh: um 03:30 Uhr. Mit Stirnlampe geht es vom Parkplatz rund 90 Minuten durch die Dunkelheit bergauf. Bei Kälte und leichtem Neuschnee erreiche ich schliesslich meinen Fotostandort. Vor mir ragt die ikonische 48 Meter hohe Felsnadel in den Himmel. Als sich das erste Licht zeigt, wird mein Aufwand mehr als belohnt.
Auch am Quiraing zeigt sich die Landschaft von ihrer spektakulären Seite. Die bizarren Felsformationen und die weiten Ausblicke sind ideal für weitwinklige Landschaftsaufnahmen. Das frühe Aufstehen um 04:30 Uhr lohnt sich – auch wenn das Wetter beim Besuch am nächsten Morgen wieder umschlägt und mir Schneeschauer, heftigen Wind und dichte Wolken beschert.
Ein weiteres Highlight sind die Fairy Pools bei Glenbrittle. Entlang des Brittle River finden sich zahlreiche Wasserfälle, Kaskaden und Pools mit kristallklarem, türkisblauem Wasser. Perfekt für Langzeitbelichtungen. Dank wasserdichtem Schuhwerk kann ich sogar aus dem Wasser heraus fotografieren.
Den Abschluss bildet das Neist Point Lighthouse, der westlichste Punkt der Insel. Der Leuchtturm liegt spektakulär auf einer Landzunge mit steil abfallenden Klippen. Starker Wind und heftiger Regen machen das Fotografieren heute anspruchsvoll, tragen aber gleichzeitig zur besonderen Atmosphäre bei.
Mein Fazit: Die Fotoreise «Wildes Schottland» hat sich in jeder Hinsicht gelohnt. Die Kombination aus spektakulären Landschaften, ständig wechselndem Wetter und professioneller Begleitung macht diese Reise zu einem intensiven Erlebnis. Ich nehme nicht nur viele gelungene Bilder mit nach Hause, sondern auch neue Erfahrungen in einer tollen Gruppe, Inspiration und wertvolle fotografische Tipps.
Die Aufnahmen entstanden mit meiner Fuji GFX100s II und den Objektiven GF20-35mmF4, GF32-64mmF4 und GF100-200mmF5.6. Bearbeitet in Adobe Lightroom und mit DxO NIK Collection. Wenns interessiert: Rund ein Viertel der Bilder sind als AE Bracketing-Aufnahmen (3 Bilder mit 0 / -2 / -4 EV) fotografiert.
Quellen:
Google Maps
Eigene Unterlagen und Internet-Recherchen







